Die tridentinische Messe

Viel Lärm um Latein 
Die Verwendung der lateinische Sprache in der Kirche wird zur Zeit im Kommentarbereich (offline auch als Leserbriefe genannt) der Tagespost behandelt. Ausgangspunkt war ein Leserbrief, der die Frage aufwarf, ob vor dem letzten Konzil die Kirche "besser" gewesen sei, und ob sie ohne es noch besser sein würde.
Darauf reagierte in der Ausgabe Nr. 9 ein Herr, der in seinem Leserbrief betonte, daß das Konzil notwendig war, jedoch "die Fehler der Liturgiereform" unübersehbar sind. Er möchte nicht zurück zur Tridentinischen Messe doch stellt er fest, daß der "quasi Verlust der lateinischen Sprache im Novo Ordo ein herber Verlust für die Kirche ist". Weiter plädiert er für die Förderung der lateinischen Sprache und eine Korrektur der Liturgie, weil ihre Mängel große Auswirkungen habe.
Damit löste er aber eine Debatte über das Latein in der Kirche aus.
Ein paar Auszüge verschiedener Ausgaben:

Nr.11: "Das Geschrei nach Latein geht mir auf die Nerven. [...] abgehobene Forderungen. Kastendenken."
Nr. 12: "Das Latein macht die Kirchen auch nicht automatisch wieder voller."
Nr. 12: "Wenn der Glaube von der Sprache abhängt: Armer Glaube!"

Andere Stimmen klingen positiv. Zusammengefasst in der Überschrift eines Leserbriefs der Ausgabe 13: "Latein ist universell und kennt keine Grenzen."


Auch während des Theologiestudiums hört man hier und da - selbstverständlich negativ - etwas von dem Alten Ritus. Eigentlich zielt das Reden darüber nur darauf ab, daß das Volk nicht mitfeiern konnte und stattdessen einen Rosenkranz betete. Wenn es ein ganz ulkiger Professor ist, erzählt er noch von irgendwelchen Menschen, die während der Predigt Bier trinken gegangen sind. So behandelt man das Thema "Latein in der der Messe" auf universitärer Ebene. Belustigend für die Studenten und natürlich völlig inhaltsleer. Fragen sie mal einen Pastoraltheologen, warum das Credo - sofern dies überhaupt gesprochen wird - nicht mal auf Latein gesprochen werden kann. Er wird sie schroff in der Art abweisen, wie es die ersten drei Zitate aus der Tagespost belegen.

Dabei geht es weder darum einfach nur nach Latein zu schreien, weil man unbedingt als ganzer Konservativer gelten will, noch aus dem Glauben daß damit die Kirche wieder automatisch voll wird.

Ganz richtig ist, daß die Kirchensprache ein Ausdruck der Frömmigkeit und Verständnis von Eucharistie zeigt. Daher ist auch die Aussage: "ein ordentlich gefeierter Novus Ordo ist auch gut" eine neokonservative Einstellung. Man hat zwar ein rechtes Verständnis von der Eucharistie als Opfermesse - wenn überhaupt - besteht jedoch nicht auf deren Form und Tradition, die sich über Jahrhunderte bewiesen hat. Das Latein drückt das Mysterium der Eucharistie aus. So ist es wenigstens beim Evangelium und Hochgebet erforderlich, darüber hinaus wünschenswert.
Der Einwand Jesus habe auch kein Latein gesprochen ist dabei lächerlich, wenn zugleich Forderung kommen, daß alles so werden soll wie zur Urzeit.
Zum Einen wird das Uralte immer mit dem Eigentlich gleichgesetzt und damit verwechselt und zum Anderen müssten wir dann die Gottesdienste auf Aramäisch abhalten.

Dies ist nun der Ausgangspunkt meiner Betrachtung über den sogenannten "Alten Ritus".

Opfermesse. Authentischer Ausdruck des ganzen katholischen Glaubens
Der Einfachheit halber werde ich von der Alten Messe statt vom klassischen römischen Ritus sprechen. Damit ist jedoch nicht gemeint, daß der tridentinische Ritus von der sogenannten Neuen Messe abgelöst sei. Die grundlegende Unterscheidung wird im nächsten Beitrag erfolgen.
Zunächst blicken wir aber darauf, warum vom "wahren Messopfer" gesprochen wird, also dem  Wesen der Liturgie, und was der "Ritus" ist. Ein kleiner Schwenk zu den Vätern darf nicht fehlen.
Der Ausgangspunkt war ja die lateinische Sprache. Zu dieser komme ich ein wenig später. Man beginnt ja auch nicht zuerst die Abseitsregel zu erklären und dann die Grundregel des Fußballspiels. Doch gehört das Abseits aber wesentlich dazu. Ebenso wie das Latein zum Ritus.

Ein Blick ins Buch hilft meist, für unsere Zwecke in die Entscheidungen des Konzils von Trient, das gegen die Reformatoren - die schon eifrig begannen die heilige Messopfer zu zerstören - die Lehre über die Messe definierte. Man kann die einzelnen Aussagen so zusammenfassen:
In der katholischen Kirche ist das von Christus eingesetzt wahre Messopfer zu finden. Das Opfer des Leibes und Blutes Christi unter Gestalt von Brot und Wein. Das unblutige Opfer in der Eucharistie ist identisch mit dem blutigem Opfer am Kreuz, weil Christus in beiderlei das wahre Opfer und anwesend ist. Die Messe ist so eine Sühnemesse gleich dem Sühnetod Christi und hat wendet uns den Dienst des Kreuzesopfer zu. Dies dürfen wir annehmen, da die Messe von Christus selbst beim letzten Abendmahl eingesetzt worden ist, weil er schon zu diesem Zeitpunkt bereit war und vorausgesehen hat, sich im Kreuzestod aufzuopfern. Er hinterließ seiner Kirche damit ein sichtbares Opfer. Dieses tut sie - wie von ihm geheißen - zu seinem Gedächtnis, bis er wiederkommt.
Die heilige Messe ist also ein heiliges und lebendiges Sinnbild und zugleich wirkliche Aufopferung des Leidens und Sterbens Christi, das er am Kreuz für uns dargebracht hat.
Der Ritus der Messe soll nun authentischer Ausdruck des ganzen katholischen Glaubens sein (und wie er das ist, zeigt sich bei der Unterscheidung zur neuen Messform). Ein Ritus erwächst durch die Jahrhunderte und der Glaube nimmt Gestalt in ihm an. Nun besteht ein Ritus aus Gesten und Worten, heilige Gesten und heilige Worte. Die Sprache der Liturgie ist anders. Man muss sie erlernen oder in sie hineinwachsen. Gleichsam deutet sie schon darauf, daß sie etwas anderes ist, nichts alltägliches. Man sollte die Sprache der Liturgie lieben, sie soll die einende Sprache der Kirche der Welt sein, die den himmlischen Vater lobt und preist.

Eine vollständige Herleitung des Opferbegriffs aus dem biblischen Zeugnis und der Vätertradition wäre an dieser Stelle wohl zu viel verlangt. Wohl aber kann man ein paar Stellen zitieren:
Lukas 20,22: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Matthäus 26,28 ergänzt: Denn dieses ist mein Blut, das des [neuen] Bundes, welches für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Dies ist wohl so zu deuten, daß das Blut im Kelch in der Gegenwart vergossen wird, und zwar für uns vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Blutvergießen und Sündenvergabe ist hierbei das wahre Opfer. Aus dem AT wissen wir, daß Leviticus 17,11 die Seele mit dem Blut parallelisiert und dies zur Sündenvergabe vergossen werden muß.
Johannes von Damaskus schreibt: "Mit Brot und Wein empfing Melchisedech, "der Priester des höchsten Gottes", den Abraham bei seinem Rückmarsch von der Niederwerfung der fremden Stämme. Jener Tisch bildete diesen geheimnisvollen Tisch vor, wie jener Priester ein Typus und Bild des wahren Hohenpriesters Christus war. Denn es heißt: ,,Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedechs". Dieses Brot sinnbildeten die Schaubrote. Dies ist das reine, allerdings auch unblutige Opfer, von dem der Herr durch den Propheten gesagt, daß es vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang dargebracht wird." (Ich empfehle den gesamten Text zu lesen.)

Auch der hl. Cyprian weiß: "[...] so vertritt doch sicherlich nur jener Priester in Wahrheit Christi Stelle, der
das, was Christus getan hat, nachahmt, und er bringt in der Kirche Gott, dem Vater,
ein wahres und vollkommenes Opfer nur dann dar, wenn er es in der Weise tut, wie er
sieht, daß Christus selbst es dargebracht hat.
"

So äußern sich auch Tertullian, Irenäus, Justin u.v.m. und man kann festhalten, daß der Opferbegriff von Anfang an gegeben war. Der Ritus der Opfermesse ist nun seit urkirchlicher Zeit organisch gewachsen. Eigentlich soll der Ritus in das innerste des Glaubens vordringen.
Das tut er. So wird beim nächsten Mal auf liturgische Riten und Symbole näher eingegangen. Ebenso auf die besonderen Gebete.

Leib-seelischer Ausdruck des Gläubigen
Der Mensch ist eine Einheit von Seele und Leib. Beides befruchtet sich gegenseitig. Die Seele findet Ausdruck im Leib. Ein beseeltes Lebewesen hat Gefühle und ein Bewußtsein für sich und für Andere. Engel brauchen diesen sichtbaren Ausdruck nicht, sie sind reine Geistwesen. Wir bedürfen aber unseres Leibes um unsere innere Handlungen (Gefühle, Gedanken etc.) in äußere Form zu bringen, eben um sie auszudrücken. Das Heilige findet über die Sinne Zugang zur Seele. Wir finden in der Natur etwas vor und bilden es dann im Geist ab.
Im Gottesdienst findet so eine Wechselwirkung statt. Die inne Haltung wird in Riten ausgedrückt, aber der Ritus bringt sie durch die Wahrnehmung hervor. Es bildet somit eine ähnliche Einheit wie der Mensch. Der Mensch kann ja nicht ohne Hilfe zum Göttlichen hervordringen, sondern braucht die äußere Wahrnehmung. Im Ritus finden sich ganz unterschiedliche Dinge: leise und laut gesprochene Gebete (Hören), Weihrauch (Riechen), Gewänder, Lichter und geheimnisreiche Segnungen (Sehen). Den Gottesdienst und das tiefste Geheimnis der Eucharistie nimmt der Mensch so mit allen Sinnen auf. Daher sind die Riten und Symbole besonders wichtig und tragen zum tieferen Verständnis des Mysteriums bei. Dadurch soll die Hoheit dieses rätselhaften Opfers zum Bewußtsein und in das Herz des Gläubigen kommen.
Christliches Beten hat immer eine bestimmte Richtung: ad Dominum - zum Herrn. Christus ist das Licht der Welt. Daher ist unsere Gebetsrichtung gen Osten, dort wo die Sonne aufgeht, wo der Stern die Epiphanie ankündigte. Es ist ein sehnsuchtsvoller Blick dorthin, woher der Retter wiederkommen soll. Ein Blick voller Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Dies ist die eschatologische Bedeutung.
Weiter ist die Gebetsrichtung eine Verneigung vorm Herrn. Mit dem Priester schaut das ganze Volk zum Herrn und erhebt die Herzen und die Seele zu Gott. Wie der Priester bei der Predigt sich zum Volk wendet, um zu ihm zu sprechen, ist die gemeinsame Gebetshaltung zum Herrn ein Zeichen der Einheit von Volk und Priester. Nicht das Einanderanschauen ist das Wesentliche, sondern der Blick zu Gott. Im heiligsten Moment der Messe soll der Priester, der Stellvertreter Christi am Altar, sich auf das Wesentliche konzentrieren und nicht angeschaut werden. Das Volk soll nicht auf den Priester schauen, sondern aufsehen zum ewigen Hohenpriester.

Gewöhnliche Sprache entsakralisiert das Geheimnis
Bevor wir uns nun die Gebete während des Gottesdienstes vornehmen, blicken wir auf den Ausgangspunkt zurück: die lateinische Sprache. Die Vorbehalte gegen die Sprache und die üblichen Polemiken werde ich allerdings separat im letzten Teil dieser Reihe behandeln. Doch ist die Sprache eigentlich der einzige Diskussionspunkt um die "Alte Messe". Alles Wesentliche tritt dahinter zurück. So muß man einige Zeilen zur Verteidigung aufwenden, um diesen Punkt ad acta legen zu können.
Das II. Vatikanum hat die liturgische Kultsprache gewünscht, gefördert und ganz und gar nicht aufgehoben, geschweige denn abgeschafft. In ihr liegt ein tieferer Sinn und sie hat einen unübertrefflichen symbolischen Wert - seit Jahrhunderten und sie ist Hilfe für den Zugang zum eucharistischen Mysterium.
Seit dem Turmbau zu Babel leiden die Menschen unter erheblicher Sprachverwirrung und dem Nichtverstehen. Bis Pfingsten. Die Apostel empfingen den Heiligen Geist und es geschah das Sprachwunder: "jeder hörte es in seiner eigenen Sprache" (Apg 2, 6).
Selbiges Wunder drückt sich auch in der Kultsprache der Weltkirche aus. Auf den Straßen hört man Deutsch, Spanisch, Italienisch, oder Englisch, im Heiligtum aber nur die eine Kultsprache Latein.
Es ist somit ein Zeichen der Einheit. Trotz der Fremdheit ist man in der Kirche vertraut. Es ist die gemeinsame Muttersprache aller Katholiken im Gebet.
Vergleichbar ist die Sprache in der lateinischen Kirche mit der Ikonostase der Ostkirche. Sie verhüllt das Mysterium, das nicht etwas Weltlich-Profanes darstellt. Wir können mit dem menschlichen Geist das Mysterium nicht erfassen. Es ist ein Glaubensgeheimnis. Doch lädt die Kultsprache ein, tiefer in dieses Geheimnis vorzudringen und sich noch mehr mit dem Geschehen auseinanderzusetzen. Die gewöhnliche Sprache entsakralisiert das Geheimnis. Man muß die Frage stellen: trägt ein auf deutsch geleiertes Hochgebet wirklich zum besseren Verständnis bei? Eventuell verliert sich der Sinn des Heiligen. Christus selbst Sprach am Kreuz Hebräisch und nicht seine Muttersprache Aramäisch. Und er sprach ein Gebet, ein Psalm.
Latein sei eine tote Sprache, sagt man. Doch ist sie nicht tot, sondern zeitlos. Nicht tot, sondern vollendet in ihrem Gebrauch. Sie ändert sich nicht mehr. Das Hochgebet in der Liturgie bleibt auf ewig so. Unsere Sprache passt sich leider der Moderne an. Davor machen auch Gebete keinen Halt. Durch die Sprache ändert sich aber oftmals auch die Intention eines Gebets.
Aufgrund der Unveränderlichkeit ist die lateinische Sprache besser geeignet die ebenso ewigen und unveränderlichen Gebete und Wahrheiten in der Liturgie zu formulieren. Hinter den Gebeten steckt ja eine Theologie. Der ernsthafte Vollzug der Liturgie ist besser für das theologische Verständnis geeignet als eine Vielzahl von Pastoral- oder Dogmatikbücher.
Weitere Aspekte werden noch in der Auseinandersetzung mit der "Neuen Messe" erfolgen.
Doch betrachten wir nun ein paar Gebete, die der Priester während der Messe verrichtet. Wie es die Systematik verlangt, beginnen wir mit dem Stufengebet. Und zwar noch vor der Kirche. Denn man betritt das Gotteshaus nicht schlurfenderweise, sondern betritt das Haus Gottes (Mt 21,13) über die Stufen, die sagen: "Empor die Herzen!". Dies ist innerlich der Beginn der Messe und der Einstellung. Das weltliche wird zurückgelassen und die Seele zu Gott gehoben.
Auch am Alter verrichtet der Priester ein Stufengebet (an unterster Stufe) als Vorbereitung zur Messe. Er rezitiert den Psalm 43: "Intoibo ad altare Dei - Zum Altare Gottes will ich treten". Die Stufen bedeuten den inneren Aufstieg zu Gott und den Aufstieg zum Berg Golgotha und machen gleichsam deutlich, wo der Mensch steht. Ebenso vollrichtet der Priester das Confiteor, das Schuldbekenntnis, in tiefgebeugter Haltung.
Das Kyrie Eleison (Lk 17,13) ist ein Ruf zu Gott um Barmherzigkeit und das Erflehen des Heils. Es eine Huldigung zur Ehre Gottes. Kyrios heißt der Herr und vereinigt uns um Bekenntnis zur wahren Gottheit und zum Königtum Christi. Dieser Ruf ist seit Urzeit bezeugt (Joh 20,28).
Das ebenso trinitarisch gegliederte Gloria ist eine weitere Huldigung Gottes.
Es folgt: Kollekte, Epistel, Graduale, Sequenz, Tractus und das Evangelium. Lesungen sind schon in der Urkirche zu finden (s. Apg 1,65). An den Sonntagen versammelte man sich uns es wurden die Texte der Apostel und Propheten gelesen.
Wesentlich ist das Credo an Sonn- und Feiertagen. Das Credo folgt auf das Evangelium (also das Wort Gottes) bzw. die Predigt. Dieses Glaubensbekenntnis geht auf das Konzil von Nizäa (325) und Konstantinopel (381) zurück. Es enthält alle wesentlichen christologische Glaubensinhalte und ist somit ein Grunriß der gesamten katholischen Glaubenslehre. Daher hat das Credo eine wichtige Stelle innerhalb der Liturgie. Jeden Sonntag vergegenwärtigt man sich die Grundwahrheiten seines Glaubens. Auch ist hier schön das Zusammenspiel von Gesten und Glauben ausgedrückt. Denn während des Höhepunkts beugt der Gläubige die Knie, während er spricht: "Er hat Fleisch angenommen..."

Wesentlicher und feierlichster Teil der Messe
Wie gesagt, ist der wesentliche und feierlichste Teil der Messe der Kanon. Er schleißt sich an die Vormesse und die Opferung an. Die Opferung ist nicht zu verwechseln mit der Konsekration und der Wandlung. Während der Opferung enthüllt der Priester Kelch und Brot. Er bringt die materiellen Opfergaben (Brot und Wein) auf dem Altar dar. Der Priester spricht hier noch: "nimm diese makellose Opfergabe gnädig an". Es folgt die Vermischung von Wein und Wasser. Abschluss findet die Opferung in der Secret, einem stillen Gebet des Priesters. Dies führt dann zur Wandlung. Er spricht: "[...] nimm dieses geistige Opfer und mache uns selbst so zur vollendeten Opfergabe für Dich.". Dann folgt der Messkanon.
Er beginnt mit der Praefatio, einem Dankgebet und endet mit dem Pater Noster. Höhepunkt bilden die Einsetzungsworte, die schon im zweiten Jahrhundert bei Justin erwähnt worden sind. Bei der Konsekration handelt der Priester ganz in persona Christi, er ist das Werkzeug Christi. Das Gebet dabei ist direkt an Gott den Vater gerichtet und der Priester tut genau das, was Christus auch getan hat. Da nun die Realpräsenz erreicht ist, betet der Priester vor der Hostie um sie dann gen Osten über sein Haupt zu erheben. Der Höhepunkt ist damit erreicht: Der heilige Leib und das kostbare Blut Jesu sind gegenwärtig.
Vor und nach den Einsetzungsworten spricht der Priester ebenfalls eine Vielzahl von Gebeten, die ebenso alt sind. So bittet man Gott im Te igitur, daß er das Opfer annehme. Hier wird auch für Papst und alle Gläubigen gebetet. Die Anamnesis folgt nach der Konsekration. Sie erinnert an das Leiden Christi, seine Auferstehung und Himmelfahrt. Am Ende wird darum gebeten, daß das Opfer durch die Engel zu seinem Altar getragen wird (vgl. Offb 8,3). Eingesetzt in den Kanon wurden Gebete wie das Pater Noster schon um 600 von Gregor dem Großen, oder das Agnus Dei von Papst Sergius (um 690).
Eine detaillierte Beschreibung aller Gebete ist wegen des Umfangs natürlich nicht möglich. Doch möchte ich noch auf einige Gesten hinweisen, die die Theologie und die Ganzheit dieses Ritus zum Ausdruck bringen. So zum Beispiel im Schwingen des Weihrauchfass über den Opfergaben. Der Priester spricht: "Dieser Weihrauch, den Du gesegnet hast, steige, Herr, zu Dir empor; und es komme herab über uns Deine Barmherzigkeit." Der Weihrauch steigt empor zu Gott, den wir bitten, er möge das Opfer annehmen. Der Weihrauch erkaltet an der Decke der Kirche und sinkt wieder herab. Dieses Opfer wird uns zum Heil seiner Gnade. Der Weihrauch versinnbildlicht hier das Auf- und Absteigen der Theologie des Opfers. Ein Zeichen der herabkommenden göttlichen Gnade.
Bei der Konsekration ergreift ein Ministrant das Messgewand des Priesters. Es soll ausdrücken, daß hier jetzt der Priester ganz die actio Christi darstellt. Diese Geste geht zurück auf die Frau aus Kapharnaum. Sie ergreift nach der Heiligung ihres Blutflusses den Saum Christi und sagt: "Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde ich gesund". So soll jeder Gläubige im Geiste das Gewand des Priesters ergreifen, da in ihm Christus gegenwärtig ist.

Der Akzent der Messe liegt auf dem Opfer. Auf dieses ist alles hingeordnet und zeichnet sich durch eine Vielzahl von Gebeten und Gesten aus. Zentral ist die reale Gegenwart Christi unter den sakramentalen Gestalten auf dem Altar. Das Opfer Christi, das sich unblutig jedes Mal aufs neue vollzieht durch ihn. In diesem Moment ist es still in der Kirche. Es läuten nur die Glocken. Alle Blicke sind auf den präsenten Herrn gerichtet.

Auf die priesterliche Kleidung bin ich gar nicht mehr zu sprechen gekommen. Eventuell gehe ich darauf noch in dem letzten und umfassendsten Teil ein: der Unterschied zwischen der "Alten" und der "Neuen" Messe und wie dieser sich auswirkt.
Doch gelten alle bisherigen Überlegungen dem Anreiz sich selbst mit der tridentinischen Messe zu befassen und den Sinn zu verstehen, weshalb man bis heute von einer Opfermesse spricht. Dieser Punkt ist wesentlich. Ebenso, daß die Messe ein Leib-seelischer Ausdruck des Gläubigen ist.

Der Unterschied zwischen der "Alten" und der "Neuen" Messe
Was ist der grundlegende Unterschied zwischen der "Alten" und der "Neuen" Messe? Was drückt das "Neue" aus? Warum sind haben einige Gläubige einen ablehnende Haltung gegenüber der "Neuen" Messe? Diese und weitere Fragen möchte ich abschließend klären. Es sind Fragen, die man auf das Wesen der Messe beziehen muß. Es ist gar nicht erforderlich auf Karnevals-, Western-, oder Straßenbahnmessen einzugehen. Sie sind nur Zeichen des Verfalls des rechten Verständnis von dem Charakter der Messe.
Zur Einleitung kann man zusammenfassend sagen: In der "Alten" Messe feiern wir das Opfer unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz. Wir feiern das erlösende und zugleich blutige Geschehen von Karfreitag unblutig auf dem Altar.
In der "Neuen" Messe geht von dem Herrenmahl aus, ein Gedächtnismesse von Gründonnerstag.
Erste Unterscheidung: Opfermesse gegenüber Mahlfeier

In Wahrheit hat Christus im Kreis seiner Apostel das Karfreitagsopfer vorweggenommen. Er hat Brot und Wein sakramental zu seinem Opferleib und Opferblut gegenwärtig eingesetzt. Er wies die Apostel an, dies ständig zu seinem Gedächtnis zu tun.
Es ist eben kein Abendmahl, kein gemütliches Zusammensitzen, kein Austausch von Neuigkeiten, sondern sein Gedächtnis. Wir feiern ein Opfer zu seinem Gedächtnis, sein Opfer von Fleisch und Blut zu unserer Erlösung unter den Gestalten von Brot und Wein.
Dieser Unterschied wird auch in der Kirche selbst sichtbar. In den meisten Kirchen ist die alte Anordnung noch gut sichtbar. Da wirken die neuen Elemente fremd und einfach dazugesetzt. Denn in der "Alten" Messe gibt es bloß einen Hochaltar, auf dem das Opfer dargebracht wird. Und es gibt ein Tisch, an dem die "Speise der Engel" gereicht wird. Diese ist die Kommunionbank.
Es wird geopfert und das Opfer wird gereicht.
In der "Neuen" Messe dagegen gibt es zwei Teile in der Messe, die an zwei unterschiedlichen Orten ausgetragen werden: Wortgottesdienst und Eucharistie. Es gibt ein Lesepult, an dem man die Worte aus der Schrift liest und predigt und es gibt den "Tisch des Herrenleibes", den Altar. Man versammelt sich so, um Worte zu hören und man versammelt sich, um das Brot zu brechen. 
Zweite Unterscheidung: Akzentverschiebung von Opfer auf Versammlung.

Auch die Bezeichnung des Priester leidet hierunter: In der Liturgiewissenschaft wird in allen Bücher nur noch von dem Vorsteher gesprochen. Er ist nicht mehr der Opfernde am Altar, damit Gott die Gaben wohlgefällig annimmt, sondern der Vorsteher der Gemeinde und deren Versammlung. Ein Vorsteher ist das zentrale Moment einer jeden Feier. Ich stehe meinem 50 Geburtstag vor. Alle Augen sind auf mich gerichtet. In der Krise sind alle Augen auf den Vorstandsvorsitzenden gelenkt, weil er das sagen hat.
Doch gibt es in der Kirche nur einen Vorsteher: Jesus Christus, der gegenwärtig ist.
Die Akzentverschiebung ist hier auf die geistige Gegenwart Christi verlagert. Im Wort und Geist ist er dann "mitten unter ihnen".
Doch ist das entscheidende die reale Gegenwart Christi auf dem Altar im Moment der heiligen Wandlung. Wenn sich das Opfer neu vollzieht. Deshalb ist in der "Alten" Messe alles auf diesen Moment angeordnet und auf diesen Höhepunkt auf.
Dieser Höhepunkt ist vollkommen unabhängig von "Zuschauern", von Gläubigen. Diese Messe liest der Priester auch still für sich.
Ein stille Messe ist für eine "Mahlfeier" allerdings völlig abwegig. Sie ist auf den Dialog von Vorsteher und Teilnehmer angewiesen. Daher muss sie auch auf der jeweiligen Landessprache vollzogen werden. Es ist mehr oder weniger ein Tischgespräch im Sinne Jesu. Christustitel gehen in der "Neuen" Messe leider verloren: er ist Bruder und Freund. Anderes wäre am Mahltisch der Brüderlichkeit auch ein wenig störend.
Dritte Unterscheidung: Reale Gegenwart wird durch geistiges Mitfeiern ersetzt.

Das Opfer, wovon so oft geredet wird, hat folgenden Zweck: Lob, Dank, Bitte und Sühne. Ganz wie es Gott zukommt. Dem Schöpfer und Erlöser kommen diese vier Elemente ganz besonders zu. Der Psalmist kennt diese Art von Gebeten. Oftmals endet ein Klagepsalm in einem Lobpsalm. Das Opfer der hl. Messe hat aber auch noch den speziellen Zweck der Sühne. Es ist ja die unblutige Wiederholung des Sühentods Jesu. Auch nach der Taufe ist der Mensch weiter erlösungsbedürftig. Wir begehen Sünden, die durch das Blut Christi reingewaschen werden.
Die "Neue" Messe kennt im wesentlichen das "Lobopfer" Luthers. Für Luther war die Vorstellung eines Sühneopfers abwegig. Für ihn war die Messe Lob und Dank (also Eucharistiefeier).
Vierte Unterscheidung: Statt Messopfer wird Danksagungsfeier (Eucharistiefeier) gesagt.

Nochmal zu der Mahlfeier. Für die "Neue" Messe gehört die Kommunion immer dazu. Die Gläubigen holen sich gerne das Scheibchen ab. Was genau darunter verstanden wird, können die Wenigsten mitteilen. Die "Alte" Messe ist ihrem Wesen nach nur ein Opfer. Die Kommunion ist dabei die Frucht des Opfers, aber gehört nicht zu seinem Wesen dazu.
In seiner Enzyklika "Mediator Dei" verurteilte Papst Pius XII die Meinung, die Messe sei nicht zugleich Mahlfeier der Brüderlichkeit. Sie sei in ihrem Wesen "eine unblutige Hinopferung des göttlichen Opferlammes, was auf geheimnisvolle Weise durch die Trennung der heiligen Gestalten und durch ihre Darbringung an den ewigen Vater zum Ausdruck kommt."

Weitere Unterschiede: Die "Alte" Messe verkündet das Christkönigtum und ist auf den Vater bezogen. Die "Neue" Messe hat ökumenischen Wert und ist demokratisch angeordnet. Sie hat Teile der protestantischen Mahlfeier in sich aufgenommen und mit dem katholischen Ritus vermischt.
Wesentlich stellt die "Mahlfeier der Brüderlichkeit" eine Bedrohung für den Glauben dar. Selbstverständlich ist sie gültig, falls alle Elemente gewahrt sind. Doch trägt sie nicht zum tieferen Verständnis des Mysteriums bei. Dient nicht der Besinnung auf Gott. Ehrt nicht schweigend die Realpräsenz Jesu Christi.
Es geht in der "Neuen" Messe hektisch zu. Das Empfinden für die wesentlichen Teile und all die kleinen Details gehen verloren. Man kann in der Messe niemals durchatmen und zur Ruhe kommen.

Von den liturgischen Missbräuchen braucht man gar nicht reden. Eine freie Form lässt selbstverständlich auch Missbräuche zu. Erfundene Hochgebete und Clownsnasen sind leider nicht mehr die große Ausnahme. Erschreckend ist ebenfalls die Ausbildung der Ministranten. Das recht Gefühl für das Heilige geht der "Neuen" Messe absolut verloren. Aber wenn es wesentlich ist, daß Tante Erna Oma Hilde die Hand reichen kann, hat sie ihren Wert.
Dann aber leider nur als Treffen. Eventuell im Geiste Christi. Doch sind Lieder und Predigt die wesentlichen Elemente. Darüber spricht man.

Diese Missbräuche werden jedoch geduldet. Gremien des Liturgieausschuß haben sie ja schließlich vorbereitet und geduldet.

Damit ist meine Betrachtung (vorerst) vorbei. Eventuell kommen mir hier und da noch ein paar neue Aspekte in den Sinn. Gerade das Thema Kirchbauten und Theologie ist ein spannendes Thema. Überhaupt müsste man noch einmal die dahinterliegende Theologie der "Neuen" Messe beleuchten. Das wäre aber eine umfassende Auseinandersetzung mit dem II Vatikanum und an dieser Stelle etwas zu viel.

Kommentare:

  1. Ich meine: was Sie fordern, geht auch ohne Latein und tridentinische Messe, wenn der Priester die Messe so feiert, dass das Wesentliche, was Sie beschreiben, vermittelt wird! Gegenwart Christi, Opfercharakter usw. habe ich ohne theoretische Vorüberlegungen gespürt, als ich einen solchen echten Priester bei der Messfeier erlebte! Und es stimmt: er würde die Messe auch ohne "Publikum" halten, es ist ein Bedürfnis für ihn. Nur eines: was spricht gegen eine gute Predigt, die den Mitfeiernden die Bibel auslegt und den Glauben vermittelt, wenn sie von einem solchen tief gläubigen Priester und echten Seelsorger kommt?
    Sicher doch nichts, und dass man darüber spricht, doch auch nicht, im Gegenteil!

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  2. Die Alte Messe wird nie wieder die Messliturgie der Gesamtkirche sein. Sie wird ein Nischendasein haben und das war es dann auch. Die Neue Messe wird hoffentlich durch konservativere Priester wieder in ihrer Breite würdiger werden, aber das wird sich erst zeigen.
    Das immer gleiche Gejammer der Tradis hilft hier leider nicht. Vielmehr müsste diese Kreise sich mehr und stärker engagieren. Damit wäre am Ende allen geholfen.

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  3. Eine Darstellung ist kein Gejammer.

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