Freitag, 13. Januar 2012

Willkommen Mensch - Tschüß Gott

Mitte des 20. Jahrhunderts konnte Otto Schilling die Aufgabe der Moraltheologie noch so beschreiben: Die Moraltheologie ist die Wissenschaft von dem menschlichen Handeln, das aus dem freien Willen als Prinzip hervorgeht und durch die caritas auf das höchste Gut (Gott) zu beziehen ist. Der Zweck des Menschen sei die Hingabe an Gott durch den Akt der Liebe.
Also soll die Moral Normen darstellen, die das menschliche Handeln auf das höchste Gut oder Ziel hinordnen.

Auch der hervorragende P. Kälin schreibt in seinem Lehrbuch zum Begriff Ethik, daß dieser das menschliche Handeln nach einer feststehenden Norm beurteilen solle, die durch das Endziel bestimmt ist.

Es geht also um ein letztes Ziel auf das der Mensch bezogen ist. Die Normen für Handlungen leiten sich aus der allgemeinen Sittennorm ab. Ethik ist die Sittlichkeit menschlicher Handlungen.

Sowohl Schilling als auch Kälin wussten: Normen für die Handlungen können nur aus Gott abgeleitet werden, kommen aus dem natürlichen Gesetzt. Das Naturrecht.

Diese beiden Lehrbücher sind um 1950 entstanden.

Wie es sich ein halbes Jahrhundert später mit der Moral verhält?
Es gibt sie nicht mehr!

Richtig. Die Universität Wien hat die Moraltheologie abgeschafft und sie durch "Theologische Ethik" ersetzt:
Ab Jänner 2012 ist das ehemalige "Institut für Moraltheologie"
unter der Bezeichnung "T h e o l o g i s c h e   E t h i k"
Teil des neuen "I n s t i t u t s  f ü r
S y s t e m a t i s c h e T h e o l o g i e" !!!
Weiter heißt es dort:
Im Dialog mit Human-, Natur- und Geisteswissenschaften sowie der kirchlichen Tradition sucht die Theologische Ethik Antworten auf existentielle und gesellschaftliche Heraus- forderungen zu finden.

Darin zeigt sich die "neue Moral":
Suchen und nichts finden.
Viele Fragen statt die Antwort schon längst zu kennen.

Das Hauptproblem ist die Verneinung des Naturrechts und die Reduzierung der Moral auf eine Habermassche Diskursethik. Jeder darf mitreden, die Mehrheit bestimmt die Wahrheit.
Doch gibt es nur eine Wahrheit: 1950 wusste man das.

Kommentare:

  1. "Respondeo dicendum quod veritas consistit in adaequatione intellectus et rei" sagt der Aquinate, aber den will keiner mehr hören.
    Und die spöttische Frage des Pilatus wurde schon vorher umfassend beantwortet:
    "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich."
    Aber da muß man jemandem glauben...

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  2. Und Kapuziner Heribert Jone dreht sich rastlos im Grab herum. Doch nehmen selbst seine Mitbrüder die Unruhe nicht mehr wahr.

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  3. ..."der Aquinate, aber den will keiner mehr hören".... Doch, ich, und das mit größtem Vergnügen und wachsender Liebe. Mein Lehrer pflegte zu sagen: "Wenn Sie den heiligen Thomas verstehen wollen, dann müssen Sie die erste Quaestion aus seinem Werk über die Wahrheit verstehen."
    Es wird unsere Aufgabe sein, den Aquanauten, die Schönheit seiner Gedanken und seine Art die Dinge zu betrachten, wieder unter die Leute zu bringen.

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