Montag, 6. Februar 2012

Wesentlicher und feierlichster Teil der Messe

Wie gesagt, ist der wesentliche und feierlichste Teil der Messe der Kanon. Er schleißt sich an die Vormesse und die Opferung an. Die Opferung ist nicht zu verwechseln mit der Konsekration und der Wandlung. Während der Opferung enthüllt der Priester Kelch und Brot. Er bringt die materiellen Opfergaben (Brot und Wein) auf dem Altar dar. Der Priester spricht hier noch: "nimm diese makellose Opfergabe gnädig an". Es folgt die Vermischung von Wein und Wasser. Abschluss findet die Opferung in der Secret, einem stillen Gebet des Priesters. Dies führt dann zur Wandlung. Er spricht: "[...] nimm dieses geistige Opfer und mache uns selbst so zur vollendeten Opfergabe für Dich.". Dann folgt der Messkanon.
Er beginnt mit der Praefatio, einem Dankgebet und endet mit dem Pater Noster. Höhepunkt bilden die Einsetzungsworte, die schon im zweiten Jahrhundert bei Justin erwähnt worden sind. Bei der Konsekration handelt der Priester ganz in persona Christi, er ist das Werkzeug Christi. Das Gebet dabei ist direkt an Gott den Vater gerichtet und der Priester tut genau das, was Christus auch getan hat. Da nun die Realpräsenz erreicht ist, betet der Priester vor der Hostie um sie dann gen Osten über sein Haupt zu erheben. Der Höhepunkt ist damit erreicht: Der heilige Leib und das kostbare Blut Jesu sind gegenwärtig.
Vor und nach den Einsetzungsworten spricht der Priester ebenfalls eine Vielzahl von Gebeten, die ebenso alt sind. So bittet man Gott im Te igitur, daß er das Opfer annehme. Hier wird auch für Papst und alle Gläubigen gebetet. Die Anamnesis folgt nach der Konsekration. Sie erinnert an das Leiden Christi, seine Auferstehung und Himmelfahrt. Am Ende wird darum gebeten, daß das Opfer durch die Engel zu seinem Altar getragen wird (vgl. Offb 8,3). Eingesetzt in den Kanon wurden Gebete wie das Pater Noster schon um 600 von Gregor dem Großen, oder das Agnus Dei von Papst Sergius (um 690).
Eine detaillierte Beschreibung aller Gebete ist wegen des Umfangs natürlich nicht möglich. Doch möchte ich noch auf einige Gesten hinweisen, die die Theologie und die Ganzheit dieses Ritus zum Ausdruck bringen. So zum Beispiel im Schwingen des Weihrauchfass über den Opfergaben. Der Priester spricht: "Dieser Weihrauch, den Du gesegnet hast, steige, Herr, zu Dir empor; und es komme herab über uns Deine Barmherzigkeit." Der Weihrauch steigt empor zu Gott, den wir bitten, er möge das Opfer annehmen. Der Weihrauch erkaltet an der Decke der Kirche und sinkt wieder herab. Dieses Opfer wird uns zum Heil seiner Gnade. Der Weihrauch versinnbildlicht hier das Auf- und Absteigen der Theologie des Opfers. Ein Zeichen der herabkommenden göttlichen Gnade.
Bei der Konsekration ergreift ein Ministrant das Messgewand des Priesters. Es soll ausdrücken, daß hier jetzt der Priester ganz die actio Christi darstellt. Diese Geste geht zurück auf die Frau aus Kapharnaum. Sie ergreift nach der Heiligung ihres Blutflusses den Saum Christi und sagt: "Wenn ich nur sein Kleid berühre, werde ich gesund". So soll jeder Gläubige im Geiste das Gewand des Priesters ergreifen, da in ihm Christus gegenwärtig ist.

Der Akzent der Messe liegt auf dem Opfer. Auf dieses ist alles hingeordnet und zeichnet sich durch eine Vielzahl von Gebeten und Gesten aus. Zentral ist die reale Gegenwart Christi unter den sakramentalen Gestalten auf dem Altar. Das Opfer Christi, das sich unblutig jedes Mal aufs neue vollzieht durch ihn. In diesem Moment ist es still in der Kirche. Es läuten nur die Glocken. Alle Blicke sind auf den präsenten Herrn gerichtet.

Auf die priesterliche Kleidung bin ich gar nicht mehr zu sprechen gekommen. Eventuell gehe ich darauf noch in dem letzten und umfassendsten Teil ein: der Unterschied zwischen der "Alten" und der "Neuen" Messe und wie dieser sich auswirkt.
Doch gelten alle bisherigen Überlegungen dem Anreiz sich selbst mit der tridentinischen Messe zu befassen und den Sinn zu verstehen, weshalb man bis heute von einer Opfermesse spricht. Dieser Punkt ist wesentlich. Ebenso, daß die Messe ein Leib-seelischer Ausdruck des Gläubigen ist.

Kommentare:

  1. ... gibt's diese Abschnitte auch irgendwo als "Ganzes" zum lesen (zum Ausdruck auf Papier, weil's dann leichter fällt). Merci.

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  2. Wenn du die Beiträge meinst: Ja. Unter dem Blogtitel gibt es einen Link, der "Die tridentinische Messe" heißt. Dort sind alle Beiträge zusammengeführt. Falls du Literaturangaben meinst: Diese werden noch folgen.

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